Kurzinterview mit DC Craig Liebenson

Dr. Craig Liebenson ist der Gründer und Direktor von L.A. Sports & Spine und bietet Schmerztherapie, Rehabilitation und Training zur Leistungssteigerung durch Eins-zu-Eins-Behandlungen in seiner Praxis in Los Angeles an. Er begann 1987 mit Dr. Karel Lewit und Prof. Vladimir Janda zusammenzuarbeiten und ist seit mehr als einem Jahrzehnt regelmäßiger Gastgeber von Pavel Kolars Programmen für Kurse in Dynamischer Neuromuskulärer Stabilisation. Er ist Adjunct Professor an der School of Chiropractic, Abteilung für Gesundheitswissenschaften an der Murdoch University, Perth in Australien, Berater für das Anglo-European Chiropratic College, sowie Betreuer für M.Sc. Programme in der chiropraktischen Rehabilitation. Er ist der erste Chiropraktiker der Mitglied des Board of Directors des McKenzie Institutes wurde und arbeitet in den Redaktionen von zahlreichen Zeitschriften, darunter dem Journal of Occupational Rehabilitation; dem Journal for Physical Medicine & Rehabilitation, dem Journal for Bodywork and Movement Therapy und dem Journal for Manual Therapy.

DC Craig Liebenson | All rights reserved – Picture used with permission

Dr. Liebenson publiziert umfassend und ist der Herausgeber des Buches / DVD Rehabilitation of the Spine: A Practitioner’s Manual (2. Auflage), 2007; Seine zweite grosse Veröffentlichung war das Buch “The Functional Training Handbook“. Seine Bücher wurden in Spanisch, Griechisch, Koreanisch, Chinesisch, Portugiesisch und Japanisch veröffentlicht. Er veröffentlichte auch die DVD-Serie: Functional Integrated Training, Funktionales Leistungstraining, Core Stability Training und Flexibilität, Yoga Training und Ergonomische Haltungsberatung. Er arbeitete als Team-Chiropraktiker u.a. für die Los Angeles Clippers (NBA) von 2005-2009, diente als Berater für die Arizona Diamondbacks (MLB), die Seattle Seahawks (NFL), sowie für zahlreiche internationale Athleten und ist Kollaborator bei Perform Better, Inc.

LA Sports & Spine Craig Liebenson’s Praxis in USA

Craig Liebenson’s Homepage Informationen über sein Kursprogramm, seinen Blog, etc.

Die PMBOS ist sehr froh Ihn trotz seines knappen Zeitplans für die Beantwortung einiger Fragen gewinnen zu können.

1. PMBOS: Dr. Liebenson, was Sind Ihre persönlichen Gedanken zur Gesundheitsversorgung heute im Allgemeinen?

C. Liebenson: Die Gesundheitssysteme sind reaktiv, prozessgesteuert und man sollte vielleicht von “Krankheitssystemen” sprechen. Das wäre treffender. In dieser Zeit in der es der Fokus der WHO ist, nichtansteckende Krankheiten in eine immer grösser werdende Lücke zwischen Gesundheit und Lebenserwartung zu packen, sollten wir unseren Fokus verstärkt auf die Veränderung individueller Lebensstile, unterstüzt durch das Zusammenarbeiten einer gesamten Gesellschaft mit all ihren Einrichtungen legen, mit dem Ziel, nachhaltige Strategien zur Steigerung der Resilienz des Individuums zu entwickeln.

2. PMBOS: Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Probleme wenn es um die Versorgung von Schmerzpatienten geht?

C. Liebenson: Ein Problem ist das übermässige Konzentrieren auf einen symptombasierten Ansatz, sowie das Verharren auf dem Therapieren von strukturellen Auffälligkeiten (Hardware). Der Schwerpunkt sollte ein Ansatz sein, der beim Patienten zu mehr Selbstwirksamkeit und Selbständigkeit führt und, wie wir aus wissenschaftlichen Belegen wissen, einen hohen Nachhaltigkeitswert besitzt. So lange ein finanzstarker medizinisch – industrieller Komplex, wie wir ihn haben, fragwürdige Interventionen mit teils hohen Risiken für den Patienten und hohen Kosten für unser Gesundheitssystem honoriert, werden diese Maßnahmen unser System dominieren. Liest man die Zeitschrift “The Lancet” in letzter Zeit aufmerksam oder verfolgt die WHO Veröffentlichungen über Massnahmen zur Reduzierung der Erwerbsausfallzeiten, kann man allerdings auf Veränderung hoffen.

3. PMBOS: Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der sich dazu entscheidet Trainer oder Therapeut zu werden um mit Menschen zu arbeiten?

Mr. Liebenson: Behalte Dir einen offenen Horizont und einen offenen Blick. Ich liebe folgendes Zitat von Rafael Nadal aus der BBC Reihe “Strokes of a genius”: Ich glaube das Zweifel gut sind, weil sie dich jederzeit wachsam bleiben lassen, egal womit Du es zu tun hast. Sich niemals für gut genug zu halten und immer Zweifel zu haben drängt einen fortwährend dazu, sich stetig zu verbessern.”
Ich plädiere für einen Zen-artigen Geist, mit der Entwicklung von viel Mitgefühl um Menschen in eine neue Zukunft zu führen und in ihnen Leidenschaftlichkeit zu erwecken. Fühle Dich verpflichtet die Lücke von aktueller Wissenschaft zur Praxis zu füllen. Versuche zu Beruhigen aber gleichzeitig zu Reaktivieren. Diese Prinzipien sollten in Eins-zu Eins Situationen angewandt werden um greifbare Hoffnung, einen realisierbaren Plan und eine wahrnehmbare positive Erfahrung mit Bewegung zu vermitteln.

Wir vom PMBOS Team sagen – Vielen Dank an DC Craig Liebenson!

 

Zusätzliche Infos:

Besonders interessant für Physiotherapeuten und Trainer ist das aus der Zusammenarbeit von Dr. Liebenson mit Dr. Levit und Prof. Janda entstandene Kursprogramm “Prague School to Athletic Development” mit dem kürzlich entstandenen Hashtag #firstprinciplesofmovement (Twitterlink).

Diese 3 teilige Kursserie hat die Kerninhalte:

1. Von symptombasiert zu einem Fokus auf die mögliche Schmerzursache in der kinetischen Kette

2. Von passiver zu aktiver Therapie (Selbstwirksamkeit steigern)

3. Von Arzt-zentriert zu Patienten/Athleten-zentriertem Vorgehen

4. Von Output-Basiert zu Outcome (Ergebnis) – Basiert

5. Von Hardware (strukturell) zu Software (funktionsbezogen)

Ziel: Lernen wie man effektiv an reversiblen funktionsbezogenen Einschränkungen des motorischen Systems arbeitet.

Videobeispiel aus der Kursserie

Der PS2AD Kurs läuft demnächst in Prag. Weitere Informationen hierzu findet Ihr hier.

Craig Liebenson ist ebenfalls extrem aktiv auf sozialen Medien wie z.B. Instagram – (@cliebenson). Hier bietet er regelmässig neue Inspirationen für Übungen

Kurzer Kommentar der PMBOS:

In den Antworten die Dr. Liebenson uns gegeben hat ist sehr viel an aktuellem Diskussionsstoff enthalten. Vieles klingt sehr innovativ und ungewöhnlich. Wir würden uns sehr freuen wenn Ihr uns Euere Gedanken dazu in das unten dafür vorgesehene Kommentarfeld hinterlasst. Vielen Dank!

Advertisements

Kurzinterview mit Natalie Grams

Natalie Grams (* 12. April 1978 in München) ist eine deutsche Ärztin und Autorin. Sie wurde aufgrund ihres 2015 erschienenen homöopathiekritischen Buchs Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft bundesweit bekannt, insbesondere, weil sie bis dahin praktizierende Homöopathin gewesen war. Seit 2016 ist sie im Wissenschaftsrat und seit Januar 2017 Kommunikationsmanagerin der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP). Ferner gehört sie seit Mai 2017 dem Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an. Seit Oktober 2017 ist Natalie Grams ehrenamtlich Vizepräsidentin des Humanistischen Pressedienst (hpd) e. V. (Quelle: de.wikipedia.org)

image1
Natalie Grams | Bild: Gudrun Holde-Ortner
1. PMBOS: Wer ist Natalie Grams? Erzählen Sie uns doch bitte etwas über Ihren bisherigen Weg. 

Frau Grams: Ich bin eigentlich Ärztin, hatte dann nach meinem Studium lange Zeit eine Praxis nur für Homöopathie. Über meinen „Ausstieg“ aus der Homöopathie habe ich ein Buch geschrieben und darin die Gründe dargelegt, warum die Homöopathie heute kein Teil der Medizin mehr sein kann. Seither bin ich als freie Autorin in der Wissenschaftskommunikation und für die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften tätig.

2. PMBOS: Sie treffen sehr kritische Aussagen über Homöopathie die durchaus für Diskussionen sorgen. Was ist Ihr Standpunkt und was muss sich in der Öffentlichkeit ändern?

Frau Grams: Die Homöopathie ist beliebt – obwohl es in über 200 Jahren ihrer Geschichte nicht gelungen ist, einen Nachweis dafür zu finden, dass sie mehr als Placebo ist. Das liegt einerseits daran, dass Menschen der modernen Medizin misstrauen und sich eine Alternative dazu wünschen und auch daran, dass wir Menschen Schwierigkeiten haben, kausale und korrelierte Zusammenhänge auseinander zu halten. Ob es mir nach oder durch Einnahme von Globuli besser geht, ist ein großer Unterscheid. Darüber möchte ich aufklären. Doch viele Menschen fühlen sich dadurch in ihrem Glauben an die alte Heilslehre erschüttert.

3. PMBOS: Was ist Ihre Meinung über das deutsche Gesundheitssystem?

Frau Grams: Tatsache ist, dass es viel zu verbessern gibt. Sei es in der Pflege, der Wissenschaft in der Medizin, zunehmender Antibiotikaresistenz und der Wertschätzung des einzelnen Patienten als Mensch. Daran wird heftig und teils sehr gut gearbeitet, auch wenn es manchmal frustrierend langsam voran geht. Doch eines gilt: Medizin wird nicht besser durch falsche Heilsversprechen, die es in vielen Verfahren der sogenannten Alternativmedizin, allen voran der Homöopathie, gibt!

4. PMBOS: Was empfehlen Sie Therapeuten oder Heilpraktikern, die Interesse an homöopathischen Ausbildungen haben? 

Frau Grams: Macht das nicht! Ich selbst habe erlebt, wie man – zunächst noch skeptisch – immer tiefer in die teils wirklich sektenartigen Denkstrukturen der Homöopathie gerät und sich gegen die berechtige Kritik immunisiert. Es gibt neben Phytotherapie, Bewegungstherapien und Ernährungsberatung einige andere Verfahren, die wirklich helfen können. Dort sind Zeit und Ausbildung besser investiert. 

5. PMBOS: Sie sind Mitglied der GWUP. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften. Welche Aufgaben und Ziele verfolgen Sie dabei aktuell?

Frau Grams: Viele denken, „Skeptiker“ seien einfach nur gegen alles. Doch eigentlich sind wir für etwas: Wir möchten Menschen vor falschen Behauptungen schützen, die vielleicht zu Schaden führen können. Glaubt man beispielsweise, dass Homöopathie Impfungen ersetzt, dann schützt man sich möglicherweise – oder seine Kinder – nicht ausreichend gegen die wieder grassierenden Masern. Glaubt man, dass eine Hellseherin eine bessere Anlageberaterin ist als ein Finanzexperte, so kann das einen finanziellen Schaden bedeuten. Vor so etwas möchten wir als Verbraucherschützer warnen und aufklären.

6. PMBOS: Wie empfinden Sie die derzeitige Versorgungslage von chronischen Schmerzpatienten im Allgemeinen?

Frau Grams: Schmerz ist – obwohl eine häufige Krankheit – immer noch irgendwie ein Tabuthema. Das „man hält das eben aus“ ist noch in vielen Köpfen verankert. Dazu kommt eine oft überstarke Angst vor einer ausreichenden Schmerzmedikation oder der innere Schweinehund, wenn ein aktiveres Bewegen helfen könnte. Doch Schmerzen können zu einer chronischen Krankheit werden und sollten gut behandelt werden. Hier sollte auf jeden Fall noch mehr Bewusstsein – auch bei Ärzten – geschaffen werden.

 

Wir sagen herzlichen Dank an Frau Natalie Grams für dieses kleine Interview! 

 

 

Wer mehr über Natalie Grams und Ihre Arbeit wissen möchte, kann ihr in den gängigen sozialen Medien folgen, oder Ihre Webpräsenz besuchen.

www.natalie-grams.de | www.gwup.org | Twitter: @nataliegrams1

Ihre Publikationen:

Homöopathie neu gedacht – Was Patienten wirklich hilft. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg 2015, ISBN 978-3-662-45336-0.

Gesundheit – Ein Buch nicht ohne Nebenwirkungen. Springer-Verlag, Berlin/ Heidelberg 2017, ISBN 978-3-662-54798-4.

 

 

 

 

Die “Press” in der Schulterrehabilitation

Langhanteltraining in der Physiotherapie ist für viele Menschen und Gesundheitsdienstleister etwas ungewöhnliches und führt sehr oft zu Erstaunen. Meiner Meinung nach könnte dieser Sachverhalt davon rühren, dass man gesellschaftliche Verbindungen zwischen Langhantelstangen und Gewichtsscheiben mit dem Gewichtheberbereich herstellt, was immer noch unbegründeterweise als sehr gefährlich für den Rücken und für Gelenke gilt.

Vergleicht man die essenziellen Langhantelübungen wie Deadlifts (Kreuzheben), Backsquats (Kniebeugen), Bench Press (Bankdrücken) und die Press oder Overhead Press / Military Press mit den Anforderungen die einem Patienten oder Klienten täglich begegnen, so lässt sich doch annehmen, dass mit fast keinem anderen Trainingsgerät ein ähnlich sinnvoller Alltagsbezug hergestellt werden kann, wenn es um den Aufbau von Belastungskapazität und Kraft für verschiedene Tätigkeiten des täglichen Lebens geht.

In der Arbeit mit Patienten, die an Schulterbeschwerden leiden, beispielsweise – bietet es sich ebenfalls im Rehaverlauf an, alltagsbezogene Aktivitäten in die Behandlungsplanung und das Therapieprogramm zu übernehmen. Viele Patienten benötigen die Einsatzfähigkeit ihres Armes in einer Überkopfposition. Eine ideale Übung für das Training von Belastungsreserven in dieser Aktivität ist die “Press” oder “Overhead-Press”.

IMG_1520(Bild 1: PMBOS 2018, PCC-Concept)

Die Ausführung dieser Übung sowie die Bedeutung für den Bewegungsapparat, sind zwei Faktoren, die man dem Patienten ausführlich erklären sollte. Viele Patienten haben von Therapeuten oder Ärzten gehört, dass bei Bewegungen unter Belastung die über das Schulterniveau nach oben gehen, eine Engstelle in der Schulter entstehen kann und dies zum Impingement oder zur Schädigung der Rotatorenmanschette führt.

Betrachtet man die Mechanik der Scapula bei Überkopfbewegungen, wird klar, dass die natürliche Anlage der Scapula und ihre mechanische Bewegung bei Armelevation, ein Einklemmen der Strukturen unter dem Schulterdach verhindert. (1) Patienten hierüber im Unklaren zu lassen oder ihnen möglicherweise davon abzuraten, Übungen über Kopf auszuführen, fördert ein passives Verhalten und Angst vor diesen Bewegungen.

Bildschirmfoto 2018-07-08 um 21.05.54

Bild 2: https://musculoskeletalkey.com (all rights reserved)

Stellt man sich in diesem Bezug die Rehabilitation eines Handwerkers vor, dessen tägliche Beschäftigung es ist, über seinem Kopf zu arbeiten sind solche Ratschläge, wie “Überkopfarbeit ist für Sie nicht geeignet” als sehr fragwürdig einzustufen.

Nicht nur bei Schmerzen die direkt vom Schultergelenk ausgehen, sondern auch bei Beschwerden des oberen Nackens oder des Schulter-Nacken-Bereichs bietet sich die Press an. IMG_1516 (Bild 3: PMBOS 2018, PCC-Concept)

Wie im Bild 3 zu erkennen ist, bildet man mit der Langhantel einen sehr langen Lastarm mit mehreren Drehpunkten bis zum Boden, an dem ein Gewicht einen Hebelarm sowohl vor- als auch hinter die Körperlängsachse in mehreren Gelenken bildet. Die Klientin benötigt vom gehaltenen Objekt aus abwärts ihre ventrale und dorsale Muskulatur um eine aufrechte Körperposition zu gewährleisten. Alleine aus dieser biomechanischen Sichtweise heraus, könnte man die Press als einen “Tausendsassa” unter den funktionsbezogenen Übungen betrachten.

Grundsätzlich lässt sich zudem, wie bei allen klassischen Langhantelübungen über einen positiven Effekt auf Grundkraft und allgemeine Steigerung der körperlichen  Leistungsfähigkeit diskutieren.

Möchte man die Press in ein Rehabilitationsprogramm einbinden, ist es selbstredend von Vorteil mit dem Patienten einige Voraussetzungen zu erarbeiten. Eine schmerzfreie Elevation des Armes sollte beispielsweise beidseits möglich sein. Ebenfalls kann die Brustwirbelsäulenmobilität eine kritische Rolle spielen. Eine individuelle Entscheidung über die Verwendung dieser Übung bleibt unabdingbar.

Wie bei allen Langhantelübungen ist auch bei der Press ein ausführliches Coachen der sinnvollen Technik sehr wichtig. Ich spreche absichtlich von “sinnvoll” und nicht einer “korrekten” Technik, denn wir wissen mittlerweile dass es durchaus nachteilig sein kann, einen Patienten  dahingehend zu sensibilisieren, dass Übungsausführung richtig oder falsch sein kann. Ebenso ist es für Schmerzlinderung nicht wichtig, ob eine Übung wie aus dem Lehrbuch ausgeführt wird, oder Abweichungen entstehen. Hierzu empfehle ich diesen Artikel von Ted Willsey und diesen von Pain-Science.com (Artikel).

Oft entstehen bei vielen Menschen durch die Verwendung der Aussagen “Richtig” und “Falsch” Einstellungen die dazu führen, dass Patienten ihre eigene Aktivität und Initiative zurückschrauben, da sie möglicherweise den Eindruck erhalten nur durch 1 zu 1 – Betreuung “richtig” zu trainieren und eigenständig sehr hoher Gefahr ausgesetzt sind, Fehler zu machen.

Sinnvolle Ausführung der Press heißt in diesem Fall grob, das zu bewegende Gewicht so nah es geht, am Körpermittelpunkt nach oben und nach unten zu führen und keine unnötigen Hebelkräfte entstehen zu lassen.

Diese Übung lässt sich ebenfalls sehr gut in kleine Unterschritte und einzelne Bestandteile zerlegen um sie für Patienten zugänglich zu machen, die die volle Ausführung momentan nicht durchführen können.

Ich würde mich freuen Euere Gedanken zu dieser Übung zu erfahren und darüber zu diskutieren.

(1) McClure, P., Michener, L., Sennett, B., & Karduna, A. (2001). Direct 3-dimensional measurement of scapular kinematics during dynamic movements in vivo. Journal Of Shoulder And Elbow Surgery, 10(3), 269-277.

Krafttraining für ältere Menschen

“Training mit Gewichten?? – Das ist was für junge Leute!”

Diesen Satz höre ich als Physiotherapeut fast täglich wenn ich mit Patienten bespreche welche Möglichkeiten es gäbe, langfristig Probleme und Beschwerden zu minimieren oder zu vermeiden.

458168140

Bei genauerer Recherche fallen einem folgende Vorteile von regelmässigem Krafttraining auf:

  • Reduktion des Sturzrisikos
  • Niedrigeres Risiko Altersdiabetes zu entwickeln
  • Erhöhte Knochendichte
  • Gewichtskontrolle
  • Reduktion von Cholesterin
  • Erhalt von Muskelmasse
  • Schmerzlinderung
  • Senken von Ermüdungszuständen
  • Verbesserung des mentalen Zustands
  • Bessere Stoffwechselfunktion

Genau diese Punkte sind es, die viele ältere Menschen oft beklagen. Treffen höheres Diabetesrisiko, verringerte Muskelmasse oder niedrige Knochendichte auf Jugendliche in der breiten Masse zu?

Oft herrschen Ängste oder Bedenken über “zu viel Gewicht”, “schädliches Gewicht” oder falsche Übungsausführung.

Mit einem individuellen Zugang und einem leichten Einstieg mit wenig oder gar keinem Gewicht – zum Beispiel um die Übungstechniken zu lernen – kann quasi jeder Mensch erste Schritte im Krafttraining unternehmen.
Es bietet sich an, sich hierfür einen Physiotherapeuten oder einen Trainer mit Erfahrung zu suchen.

Sehr praktisch ist – dass Krafttraining oft mit Kleingeräten ausgeführt werden kann – zum Beispiel mit Kettlebells… Kleinen Kugelgewichten mit einem bequemen Griff. Diese können platzsparend zu Hause im Wohnzimmer deponiert werden und stellen somit ein schnell zugängliches und sogar dekoratives Gerät für das Heimtraining dar.

SDP-all-matte_1024x1024

Die Möglichkeiten sind unendlich und bereits kleine Einheiten von 2-3x 20-30min. pro Woche zeigen nach 3-4 Wochen deutliche Fortschritte.

Probieren Sie’s aus!

Das SERA System – Eine Plattform um biopsychosoziales Arbeiten zu erlernen

SERA – Ein biopsychosoziales Bildungsinstrument für Physiotherapeuten

Originaltext von Tim Marcus Valentin Hustad; Übersetzt ins Deutsche von Thomas Nickl

Das SERA – Modell wurde von Tim Marcus Valentin Hustad und Peter Viklund entwickelt

Dieser Text erschien erstmals im englischen Original auf der Webseite: https://www.paincloud.com

Link zum Originalpost: https://www.paincloud.com/single-post/2018/01/19/Introducing-SERA—an-educational-biopsychosocial-model-for-physical-and-manual-therapies

 

Einführung

Die moderne physikalische und manuelle Therapie verändert sich und ein langsamer Paradigmenwechsel ist im Gange. Die Forschung am biopsychosozialen (BPS) Modell zeigt vielversprechende Ergebnisse, wenn es in physikalischen Therapien umgesetzt wird, und es wird langsam mehr und mehr in die klinische Praxis übernommen.

Im Gegensatz dazu ist das Management einiger häufiger muskuloskelettaler Schmerzzustände wenig vielversprechend und ein häufiges Problem. Rückenschmerzen beispielsweise sind eines der teuersten Gesundheitsprobleme weltweit. Auch die Prävalenz von anhaltenden Schmerzen ist hoch und steigt, und das aktuelle Wissen und Management in der Gesundheitsversorgung wird im Allgemeinen als sehr mangelhaft angesehen. Physiotherapeuten sind in einer guten Position, um dieses Problem positiv zu beeinflussen, aber es könnte eine erhebliche gemeinsame Anstrengung erfordern, um einen Schritt in Richtung einer besseren Versorgung dieser Patienten zu machen.

Das BPS-Modell gibt es schon lange und viele Therapeuten lassen Sich in ihrer Alltagsklinik von ihm führen. Nichtsdestotrotz erscheint das Modell selbst für viele unerreichbar und abstrakt und eine signifikante Menge an Klinikern ist noch nicht mit seiner Anwendung vertraut. Es ist auch beunruhigend zu sehen, dass diese Elemente in unseren Bildungssystemen fehlen. Es besteht die Notwendigkeit, das Modell zugänglicher und verständlicher zu machen und mehr Klarheit darüber zu schaffen, wie Informationen darüber beschafft und in den klinischen Alltag umgesetzt werden können.

Es gibt auch unterschiedliche Meinungen darüber, wie das BPS-Modell in der Praxis aussehen sollte, und die Anwendung könnte sich zwischen den Therapeuten erheblich unterscheiden. Obwohl eine Vielzahl von Interpretationen der Entwicklung eines Behandlungsmodells zu Gute kommen kann, könnte der Beruf auch von der Definition dessen, was wir tun, profitieren, indem er eine gemeinsame Basis und Sprache zwischen Physiotherapeuten schafft.

Der Zweck von SERA

Das SERA-Bildungsmodell ist ein Versuch, die BPS-Wissensintegration zu unterstützen. Es enthält eine Mischung aus bestehenden BPS-Modellinterpretationen, Behandlungsrahmen, Philosophien und evidenzbasiertem Wissen. Ziel ist es, die vorhandene Wissenslücke zu füllen oder eine BPS-Plattform für Studierende, Neueinsteiger oder erfahrene Therapeuten zu schaffen. Durch ein selbsterklärendes praktisches Design und eine gründliche Beschreibung der eigenen Inhalte und Zwecke ist es das Ziel, den Therapeuten eine vorgeschlagene Wissensbasis und hilfreiche Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, um das BPS-Denken in ihre tägliche Praxis umzusetzen. SERA könnte als ein Lehrplan für BPS-Modellbildung und -integration angesehen werden und könnte möglicherweise als Modell für BPS-Bildung in Schulen dienen.

SERA ist in erster Linie ein Vorschlag für pädagogische Inhalte und Anwendungen und sollte nicht als individuelle Behandlungsempfehlung betrachtet werden.

Hintergrund

Der Kern der Idee stammt vom BPS-Modell und einflussreichen Therapeuten, die vorgeschlagen haben, dass wir als Strategen, nicht als Mechaniker (Sigurd Mikkelsen), als kontextuelle Architekten (Cory Blickenstaff) (1) oder als Interaktoren statt Operatoren arbeiten sollten. Diane Jacobs) (2). Es bedeutet im Wesentlichen, dass wir nicht nur passive Interventionen wie manuelle Therapie oder elektrische Modalitäten anbieten oder den Patienten durch vordefinierte Wiederholungen von Übungen anleiten, sondern die gesamte Person vor uns betrachten und alle Faktoren berücksichtigen sollten, die möglicherweise die Gesundheit unserer Patienten beeinflussen.

SERA wird auch von der großartigen Arbeit der Cognitive Functional Therapy (CFT) (3) und der Arbeit von Schmerzwissenschaftlern und Klinikern wie Luis Gifford, Gregory Lehman, Adriaan Louw, Jo Nijs, Lorimer Moseley und David Butler beeinflusst. Die Ausführungen dieser Menschen zu lesen und ihnen zuzuhören, sowie Ideen und Beschreibungen klinischer Entscheidungsprozesse zu lernen, indem man den Diskussionen in den sozialen Medien folgte, schuf (wie wir glauben) eine solide Grundlage für die Arbeit mit dem BPS-Modell und für das Management von Patienten mit anhaltenden Schmerzen. Vor allem ist SERA das Ergebnis von investierter Zeit und Interesse am Thema, an klinischer Erfahrung und an der täglichen Arbeit mit Patienten die unter langanhaltenden Schmerzen leiden.

Die SERA-Komponenten

Das Akronym SERA steht für Screening, Bildung, Reintegration, Autonomie. Es steht heute offen für Kritik und Modulation und mit neuen Beweisen. Viele der Quellen werden für Leser referenziert, die diese Elemente selbst integrieren und verstehen möchten, obwohl dieser Artikel als Einführung und nicht als umfassendes pädagogisches Dokument betrachtet werden sollte. In diesem Moment beinhaltet SERA die folgenden Elemente:

 

Screening

Ausschluss einer physischen oder psychologischen Pathologie, die eine aktive, patientenzentrierte Genesung behindern würde.

– Diagnostische Triage (gelbe / rote Flaggen)

– Körperliche Untersuchung

– Anamneseergänzung mittels psychosozialem und prognostischem Screening (d. H. z.B. Örebro score (4) oder das StarT-Back-Screening Tool (5)

– Weiteres Screening falls angezeigt (d. H. Für Depression, Katastrophisierung, Kinesiophobie)

– Erkennen der peripheren / zentralen Sensibilisierung (6) innerhalb des Nervensystems, damit diese die Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten bestimmen kann

 

Ergebnisse aus dem Screening-Prozess:

– könnten darauf hindeuten, dass der Patient sich in einer ungeeigneten Einrichtung befindet und andere Versorgung benötigt

– könnte während des gesamten Behandlungsprozesses verwendet werden, um einige oder alle nachfolgenden Entscheidungen (in Bezug auf Bildung, Reintegration und / oder Autonomie) zu leiten.

 

Aufklärung / Umerziehung

“De-educate, re-educate”, was bedeutet, dass oft eine Neukonzeptualisierung erforderlich ist, um zuvor festgehaltene irreführende oder nicht hilfreiche Überzeugungen abzubauen, bevor neue Informationen bereitgestellt werden, wie von Louw et al. (7) beschrieben. Das Ziel besteht darin, die wahrgenommene Bedrohung durch die schmerzhafte Situation zu verringern, um eine Schmerzreduktion und eine Reintegration der Bewegung zu ermöglichen. Dies kann durch verbale Erklärung / Diskussion, die Erfahrung von neuen Bewegungen / Verhalten, oder Symptommodifikationsstrategien erreicht werden. Ein wichtiger Teil des Bildungsprozesses besteht auch darin, die Erwartungen der Patienten anzuerkennen und zu modifizieren, um die Ergebnisse zu beeinflussen.

De-educate: Gehen Sie auf fehlerhafte / unnötige und bedrohliche Überzeugungen in Bezug auf die Bedeutung von

– Bildgebenden Befunden (Röntgen, MRT)

– Körperhaltung

– Strukturelle Anomalien wie Beinlängendifferenzen

– Bewegungs- “Fehler” wie Skapuladyskinesie

– Körperspannung

– Subluxationen und was bei manuellen „Korrekturtechniken“ wie Manipulationen zu erwarten ist

– Muskelschmerzen oder “Triggerpunkte”

– Anderen

ein.

Re-educate: die schmerzhafte Situation entkräften durch die Bereitstellung von:

– Pain Neuroscience Education (8) oder Erklären von Schmerz (9), was dazu dient, die schmerzhafte Erfahrung neu zu überdenken (zum Beispiel die “Schmerz als Alarmsystem” -Analogie)

– Erklärungsmodelle / Metaphern (z.B. demonstrieren einer geballten Faust als Rückenmuskelschutz)

– Erfahrung / Expositionsbasiertes Lernen, Symptommodifikation, schmerzarme und unbedenkliche Bewegungen finden

– Schmerz/Verletzungs-Rekonzeptualisierung (zum Beispiel Fokussierung auf Gewebeirritation aufgrund von mangelnder Gewebetoleranz/ Belastungskapazitätsprobleme, anstatt Gewebeschädigung)

– Änderung der Erwartungen für die Prognose (z. B. mit der Tobleronegrafik der Genesung, mit freundlicher Genehmigung von Luis Gifford) (10)

Insgesamt ist es das Ziel der Ausbildung, die wahrgenommene Bedrohung, die den anhaltenden oder wiederkehrenden Schmerz umgibt, durch ein tieferes und realistischeres Verständnis der physischen Prozesse, die zur subjektiven Schmerzerfahrung beitragen können, zu reduzieren. Dies kann Hindernisse beseitigen und Folgendes erleichtern:

 

Reintegration

Reintegration bedeutet “Elemente zurückbringen, die dem Organismus / Patienten gut gedient haben, bevor der Schmerz auftrat”. In manchen Situationen braucht der Patient stattdessen neue Elemente, die für diese Person vorerst unbekannt sind.

– Wiederherstellung der Gewebetoleranz und -kapazität durch tägliche körperliche Aktivität und / oder Bewegung, Beruhigen und „Reset“ von Gewebe vor dem erneuten Aufbau (Gregory Lehman paraphrasierend) (11)

– Reintegration von Schmerz und Angst, freie Bewegung und Verhalten durch Exploration und Symptommodifikation

– Glaube an die Funktionsfähigkeit neu erstellen

– Wiederherstellung oder Aufbau von Selbstwirksamkeit und Belastbarkeit des Patienten, um Behandlungsunabhängigkeit zu schaffen

– Zurück zu sozialen Aktivitäten

– Verbesserung der psychischen Gesundheit (Bekämpfung von Depressionen, Angst, wenn nötig mit Hilfe von Psychologen)

– Verbesserung des Schlaf- und Stressmanagements, tägliche Planung

– Andere


Autonomie

Insgesamt ist das Ziel das Schaffen von Autonomie. Wenn irgendwie möglich eine dauerhafte Lösung zu schaffen, den Patienten vom Therapeuten unabhängig zu machen und die Selbstwirksamkeit des Patienten zu stärken. Das Ziel sollte sein, den Patienten zum Meister seiner Situation zu machen.

– Langfristiges funktionelles Gesundheitsverhalten, zum Beispiel durch regelmäßige Bewegung, individuelle körperliche Aktivitäten, so dass realistische, erreichbare Bewegungsgewohnheiten entstehen

– Schmerz- und Angstfreie Bewegung und Verhalten, dauerhafte Veränderungen durch Integration in den Alltag zu schaffen

– Langfristiges funktionierendes psychosoziales Verhalten, zum Beispiel durch Selbsthilfe-Entspannung, Analyse und Nutzen von Beziehungen

– Funktionelle Schlafmuster oder Tagesrhythmen, die langfristig realistisch sind

 

Vorschläge für die Behandlung und Rehabilitation

– Aktive Übungen, Belastungstoleranz- und kapazität aufbauen, wo nötig. Eine kognitionsbasierte Bewegungstherapie, insbesondere bei persistierendem Schmerz, wie von Nijs et al. (12) oder Booth et al. (13) beschrieben. Zeitlich ausgerichtetes Training im Gegensatz zum Schmerzabhängigen Training, um das Schmerzempfinden mit Bewegung zu drosseln

– Gestaffelte Exposition gegenüber Bewegung (10), “Poking the bear” (11). Nutzen Sie den reintegrierten Glauben an die funktionelle Fähigkeit, den Patienten allmählich wieder in Bewegung zu bringen.

– Das Ziel für Physiotherapeuten sollte darin bestehen, die positiven Effekte manueller Eingriffe zu nutzen und das Risiko iatrogener Folgen durch eine angemessene Patientenkommunikation zu minimieren. Manuelle Therapie sollte hier immer Teil eines größeren Bildes sein und im Grunde niemals eine eigenständige Behandlung sein

– Individualisierung der Interventionen auf die Erwartungen und Präferenzen der Patienten. Die Präferenzen und Erwartungen der Patienten spielen eine wesentliche Rolle für die Behandlungsergebnisse (14,15). Auch ist es nach der Forschung zweifelhaft, dass Therapeuten die meisten “Dysfunktionen” im menschlichen Körper genau identifizieren (16,17,18) oder korrigieren können und ob sie sogar für das Problem relevant sind (19). Darüber hinaus gibt es das Vorhandensein unspezifischer Behandlungseffekte, die zwischen verschiedenen Behandlungen auftreten (20,21), kombiniert mit dem Wissen, dass die meisten manuellen Therapie-Interventionen ähnlich niedrige bis moderate Effektgrößen haben, unabhängig von sehr unterschiedlichen zugrunde liegenden Erklärungen und / oder vorgeschlagenen Mechanismen (22), befreit den Therapeuten von vielen Fesseln der Spezifität und erleichtert die Individualisierung der Intervention für den Patienten. Dies deutet auf einen klaren Schritt weg von rein mechanistischen Überlegungen und rationalisierten Lösungen hin.

Wer kann von diesem Wissen profitieren?

Alle Anbieter von Muskuloskelettaler Versorgung (Physiotherapeuten, Osteopathen, Chiropraktiker, Naprapathen und ähnliche), die mit diagnostischen Triagen, körperlicher Untersuchung und Behandlungen vertraut sind. Therapeuten, die moderne BPS-Denkweisen und bessere Ergebnisse bei Patienten mit persistierendem Schmerz anwenden wollen, sowie die, die eine Verbreitung veralteter Informationen vermeiden oder nicht weiter zu iatrogenen Folgen für ihre Patienten beitragen möchten.

Patienten: Das BPS-Modell ist allgemein anwendbar auf Patienten mit muskuloskelettalen Schmerzen in jedem Teil des Zeitspektrums, von den akutesten bis zu den langanhaltendsten Zuständen.

Es ist schwer, irgendeine Art von muskuloskelettaler Schmerzbeschwerden zu sehen, die nicht in das biopsychosoziale Physiotherapie-Management passen (mit Ausnahme von spezifischen physischen oder psychologischen Bedingungen, die durch den Screening-Prozess ausgeschlossen werden sollten).

Das bedeutet nicht, dass dieses Wissen bei jedem Patienten oder jeder Beschwerde benötigt wird, aber es sollte angewendet werden, wann immer der Therapeut es für richtig hält.

Es könnte weiter argumentiert werden, dass die Notwendigkeit für einen solchen Ansatz bei Patienten mit persistierenden Schmerzen immer größer wird, da psychosoziale Faktoren das Patientenklientel in zunehmend größerem Ausmaß dominieren und viele der SERA-Inhalte eben aus der Wissenschaft über Schmerzphysiologie sowie aus klinischen Erfahrungen darüber stammen.

Auf der anderen Seite ist die grossflächige Sichtweise, die bei BPS-Behandlungen angewandt wird, auch wichtig bei wiederkehrenden Schmerzen / Schmerzschüben im Sinne von „Flare-Ups“ oder Schmerzen auf einer zeitabhängigen Bahn, da Aufklärung der Patienten und Autonomie ein wichtiger Teil des Verständnisses und der Bewältigung in diesen Situationen sein können. Selbst akute oder subakute Zustände könnten von einer bedrohlichen Information, Symptommodifikation oder anderen Teilen des SERA-Inhalts profitieren.

Angesichts der wachsenden Evidenz um iatrogene Konsequenzen sollte dieses Wissen auch die Gesundheitsdienstleister im Allgemeinen dazu anregen, weniger Behandlungsabhängigkeit zu schaffen und weniger nicht-hilfreiche oder veraltete Informationen zu verbreiten.

 

Empfohlene Wissensbasis

– Pain Neurowissenschaften, zum Beispiel PNE oder „Schmerzen Verstehen“ (8,9)

– Motivational Interviewing (MI), durch Bücher oder Online-Kurse (23)

– Das Graded-Exposure-Konzept, beispielsweise durch Luis Giffords Bücher “Aches and Pains” (10)

– Vertrautheit mit Übungsstrategien für Patienten mit persistierendem Schmerz, wie z. B. kognitionsbasierte Bewegungstherapie, wie von Nijs (12), Stand (13) beschrieben.

– Vertrautheit mit klinischer biopsychosozialer Physiotherapie(24)

– Vertrautheit mit der Verwendung und Interpretation von Screening-Formen wie Örebro (4), StarT-Back Tool (5)

– Aktualisiertes Wissen in Bezug auf unnötige, bedrohliche Überzeugungen über den menschlichen Körper und die Macht, die unsere Worte auf die Überzeugungen und Verhaltensweisen eines Patienten haben (verstreute Informationen)

– Wissen darüber, warum ineffektive Behandlungen hilfreich sein können, wie der Placebo-Effekt, die Regression zur Mitte, die natürliche Krankheitsgeschichte, zufällige Veränderungen anderer Gesundheitsverhaltensweisen, Confirmation Bias und mehr (25)

– Wissen über unspezifische Behandlungseffekte und was man realistisch von Behandlungstechniken und -modalitäten erwarten kann (verstreute Informationen)

– Ein Hintergrund in z.B. Kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) oder Akzeptanz und Verpflichtungstherapie (ACT) ist nicht notwendig, obwohl es viele Werkzeuge für Verhaltensänderung bieten sollte, von denen viele Patienten profitieren könnten

– Kognitive Funktionelle Therapie Kurse (3). Mein persönlicher Vorschlag und die Erfahrung ist, dass Studenten von CFT einige oder mehrere Elemente von SERA integrieren sollten, bevor sie erwarten, dass sie fähig sind, kompetente CFT in der Klinik durchzuführen. Die eigentlichen CFT-Kurse könnten als Einführung dienen, ergänzen aber auch das Wissen am Ende der BPS-Lernkurve. CFT könnte als das “High-End” einer SERA-Ausbildung angesehen werden, eine sinnvolle abschliessende “Masterclass”.

– Einige Kenntnisse über Forschungsmethoden, um schlecht konzipierte Forschungsartikel identifizieren zu können

 

Einschränkungen

Eine wichtige Einschränkung in Bezug auf die Anwendung des BPS Prinzips ist: Wo beginnt meine Verantwortung / Kompetenz als Physiotherapeut und wo endet sie? Es gibt einen guten Grund, warum wir für verschiedene Gesundheitsprobleme unterschiedliche Berufsspezialisierungen haben, und es geht nicht darum, Physiotherapeuten zu Psychologen zu machen. Nichtsdestoweniger zeigen die Erkenntnisse über Schmerzmechanismen und angstlösende Strategien viel-versprechende wissenschaftliche Ergebnisse zur Schmerzreduktion und Funktionssteigerung, was meiner Meinung nach der Inbegriff dessen ist, was in diesem Beruf erreicht werden soll. Wenn zusätzliche Hilfe in Bezug auf Schlafgewohnheiten, die Förderung sozialer Aktivitäten oder die Förderung von Entspannung oder Stressmanagement geleistet werden kann, denke ich, dass muskuloskelettal ausgerichtete Therapeuten eine wichtige Rolle spielen könnten, ohne unangemessen das Land der Psychologie zu betreten. Man könnte es sogar “eine PERSON sehen und ihr helfen”, und nicht „nur“ einen Patienten behandeln nennen.

Es gibt keine aktuellen Forschungen zur klinischen Anwendung einer SERA-Ausbildung, obwohl einige für die Zukunft geplant sind. Es gibt eine Menge Forschung für mehrere SERA-Komponenten wie PNE oder Motivational Interviewing. Es gibt eine viel versprechende und wachsende Menge an Forschung für einige der eingeschlossenen Elemente wie CFT und kognitionsbasierte Bewegungstherapie.

Die Relevanz von BIO im Biopsychosozialen

In Anbetracht der aktuellen Diskussionen um die Relevanz von Bio im BPS-Modell sollte klargestellt werden, dass das SERA-Bildungsmodell anerkennt, dass biomechanische Probleme existieren, so wie das Wort “bio” in biopsychosozialer Hinsicht nahelegt. Der Vorschlag ist, dass Therapeuten versuchen sollten, die wichtigsten Aspekte der Patientenprobleme zu finden, zu berücksichtigen, was für den Genesungsprozess wichtig ist, wo es möglich ist, Bedrohen zu minimieren und die problematische Situation zu normalisieren. Dazu gehört die Reintegration biologischer Gewebsfunktionen, aber auch das Biomechanik, bei der Evidenz (und in einigen Fällen klinische Erfahrung) genauso wie eine Beratung oder eine aktive Veränderung eine Intervention unterstützen können, eine Rolle spielen kann. Die Prävalenz von biomechanischen “Variationen” in der Allgemeinbevölkerung und das Fehlen von Beweisen, die den Korrekturprozess unterstützen, sollten immer berücksichtigt werden, wenn man ein Individuum betrachtet.

Abschließend

Die wachsenden Kosten von muskuloskelettalen Problemen, kombiniert mit vielversprechenden Belegen für die Anwendung des biopsychosozialen Modells in physikalischen Therapien, implizieren, dass Therapeuten das biopsychosoziale Modell in die tägliche Praxis übernehmen und integrieren müssen und die Berufe davon profitieren könnten. Das SERA-Bildungsmodell ist eine vorgeschlagene biopsychosoziale Wissensbasis und ein praktischer Integrationsleitfaden, der Schülern oder Therapeuten bei physikalischen und manuellen Therapien helfen soll, mit dem BPS-Modell in der täglichen Praxis zu arbeiten. Es ist eine Fusion von evidenzbasiertem Wissen, bestehenden Behandlungsrahmen und Philosophien. Sein Zweck ist es, Therapeuten auf dem aktuellen Niveau der Zeit zu schaffen, die Schmerzen, gleich welcher Art verstehen und zu deren Verbesserung beitragen sowie die Häufigkeit von iatrogenen Folgen für Patienten zu reduzieren wissen.

Dieses Bildungsmodell wurde erstellt von:

Tim Marcus Valentin Hustad, Naprapath und Gründer der Gruppe “Apply Science – To physical and manual therapy” auf Facebook

 Bildschirmfoto 2018-02-02 um 08.33.45

Peter Viklund, Naprapath

 

Übersetzt ins Deutsche von:

Thomas Nickl, Physiotherapeut @ThomasNickl on Facebook (mit freundlicher Genehmigung von Tim Marcus Valentin Hustad)

Für den Inhalt des Textes verantwortlich: Tim Marcus Valentin Hustad, Peter Viklund

Original post: https://www.paincloud.com/single-post/2018/01/19/Introducing-SERA—an-educational-biopsychosocial-model-for-physical-and-manual-therapies

 

Verwendete Literatur:
1. Blickenstaff C. Therapist as contextual architect. J Man Manip Ther. 2011 Nov; 19(4): 238. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3201654/

2. Jacobs D F, Silvernail J. Therapist as operator or interactor? Moving beyond the technique. J Man Manip Ther. 2011 May; 19(2): 120–121. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3172949/

3. Cognitive Functional Therapy publications
http://www.pain-ed.com/healthcare-professionals/cognitive-functional-therapy-publications/

4. Linton SJ, Nicholas M, McDonald S. Development of a short form of the Örebro Musculoskeletal Pain Screening Questionnaire. Spine (Phila Pa 1976). 2011 Oct 15;36(22):1891-5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21192286

5. Toh I, Chong HC, Suet-Ching Liaw J, Pua YH. Evaluation of the STarT Back Screening Tool for Prediction of Low Back Pain Intensity in an Outpatient Physical Therapy Setting. J Orthop Sports Phys Ther. 2017 Apr;47(4):261-267 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28257616

6. Arendt-Nielsen L, et al. Assessment and manifestation of central sensitisation across different chronic pain conditions. Eur J Pain. 2017.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/29105941/

7. Louw A, Zimney K, O’Hotto C, Hilton S. The clinical application of teaching people about pain. Physiother Theory Pract. 2016 Jul;32(5):385-95. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27351903

8. Louw A, Zimney K, Puentedura EJ, Diener I. The efficacy of pain neuroscience education on musculoskeletal pain: A systematic review of the literature. Physiother Theory Pract. 2016 Jul;32(5):332-55. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27351541

9. Moseley L, Butler D. Explain Pain Supercharged. Book
http://www.noigroup.com/en/Product/EPSB

10. Gifford L. Aches and Pains, book
Book Sales

11. Lehman G. Homepage
http://www.greglehman.ca/

12. Nijs J, Lluch Girbés E, Lundberg M, Malfliet A, Sterling M. Exercise therapy for chronic musculoskeletal pain: Innovation by altering pain memories. Man Ther. 2015 Feb;20(1):216-20 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25090974

13. Booth J, Moseley GL, Schiltenwolf M, Cashin A, Davies M, Hübscher M. Exercise for chronic musculoskeletal pain: A biopsychosocial approach. Musculoskeletal Care. 2017 Dec;15(4):413-421.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28371175

14. Cormier S. Expectations predict chronic pain treatment outcomes. Pain. 2016.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/26447703/

15. Saragiotto BT1, Maher CG, Yamato TP, Costa LO, Menezes Costa LC, Ostelo RW, Macedo LG. Motor control exercise for chronic non-specific low-back pain. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Jan 8;(1):CD012004. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26742533

16. Mehta P, et al. Resident Accuracy of Musculoskeletal Palpation With Ultrasound Verification. J Ultrasound Med. 2017.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/29280168/?i=46&from=musculoskeletal

17. Rathbone, Grosman-Rimon L, Kumbhare DA. Interrater Agreement of Manual Palpation for Identification of Myofascial Trigger Points: A Systematic Review and Meta-Analysis. Clin J Pain. 2017 Aug;33(8):715-729. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28098584

18. Michael Haneline, Robert Cooperstein, Morgan Young, Kristopher Birkeland. An annotated bibliography of spinal motion palpation reliability studies. J Can Chiropr Assoc. 2009 Mar; 53(1): 40–58.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2652630/

19. Brinjikji W. Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. AJNR Am J Neuroradiol. 2015 Apr;36(4):811-6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25430861

20. Joel E Bialosky, Mark D Bishop, Steven Z George, Michael E Robinson. Placebo response to manual therapy: something out of nothing? J Man Manip Ther. 2011 Feb; 19(1): 11–19.
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3172952/

21. Miciak M, Gross DP, Joyce A. A review of the psychotherapeutic ‘common factors’ model and its application in physical therapy: the need to consider general effects in physical therapy practice. Scand J Caring Sci. 2012 Jun;26(2):394-403 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21913950

22. Christine Clar, Alexander Tsertsvadze, Rachel Court, Gillian Lewando Hundt, Aileen Clarke and Paul Sutcliffe. Clinical effectiveness of manual therapy for the management of musculoskeletal and non-musculoskeletal conditions: systematic review and update of UK evidence report. Chiropractic & Manual Therapies 2014 https://chiromt.biomedcentral.com/articles/10.1186/2045-709X-22-12

23. Motivational Interviewing learning module, free online
http://learning.bmj.com/learning/module-intro/.html?moduleId=10051582

24. Wijma AJ, van Wilgen C, Meeus M, Nijs J. Clinical biopsychosocial physiotherapy assessment of patients with chronic pain: The first step in pain neuroscience education. Physiother Theory Pract. 2016 Jul;32(5):368-84 https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27351769

Funktionell, funktionell, funktionell…..

Für mich eines der “Unwörter” der letzten Jahre. Spricht man mit Therapeuten oder besucht Internetseiten, hört man nur noch – alles ist funktionell.

Was bei all diesem “Funktionswahn” allerdings auffällt ist, das in den Rehabilitationsprozessen fundamentale alltägliche Bewegungsmuster keinen Platz oder keine Anwendung erfahren.

Ich spreche hierbei hauptsächlich von freien Gewichten. Viele verziehen die Nase und schimpfen auf die Langhantelfraktion, allerdings macht man sich m.M.n. keine Gedanken über die Alltagsanforderungen vieler Pat. und die sind nunmal mit freien Gewichten oft sehr gut reproduzierbar.

Ebenso wird davon gesprochen “Freihantel, Kreuzheben, etc.” das ist den Patienten viel zu schwer….

Ist es nicht meistens so, dass Pat. im Alltag diese Gewicht und noch viel höhere bewegen müssen und in der Therapie nur 10% davon abbekommen? Oder warum entsteht oft der Eindruck – mit einer Langhantel – “das kann ich niemals” “Das ist zu schwer”. Ist die Schwierigkeit ans Gewicht oder vielleicht doch eher an die Bewegungsausführung gekoppelt?

Mich interessiert Euere Meinung!

Radiologie und Physiotherapie

Wer sich mit der Entwicklung von Physiotherapie beschäftigt und sich mit Kommunikation im Patientengespräch befasst, der weis dass es oft von Vorteil sein kann dem Patienten nicht alles was man gefunden und gesehen hat, auf das Brot zu schmieren.

Erstens interessieren viele Patienten bestimmte Auffälligkeiten oder Funktionsstörungen nicht, so lange sie nicht Schmerzen verursachen und zweitens kann es gut sein einige Befunde gar nicht zu kommunizieren, weil sie fürs momentane Problem uninteressant sind.

So auch mit Bildgebung. Kein Thema wird in letzter Zeit in den sozialen Medien und unter Kollegen so heftig diskutiert wie “MRT Befunde”. Jeder spricht davon wie unnötig sie oft sind, wie sie Patienten verunsichern und welche fadenscheinigen Therapien daraus abgeleitet werden – ja auch, wie viele Patienten ohne Beschwerden positive MRT Befunde haben.

Vieles daran ist nicht zu verhindern bzw. zu beeinflussen. Wohl aber ab dem Zeitpunkt zu dem ein Patient zu Euch mit seiner CD oder seinen Ausdrucken kommt.

Fragt er Euch danach, oder äussert er was der Facharzt alles oder auch nicht erklärt hat – kann es sinnvoll sein, dem Patienten ein Bild zu erklären.

Dazu muss man über einige grundlegenden Sachen Bescheid wissen. Sicher ist es nur bis zu einem gewissen Punkt wichtig die Technik hinter Bildgebung zu verstehen und das Interpretieren verlangt nach Übung, aber dennoch gibt es einige Parameter und Details die man beherrschen sollte.

Falls Ihr mehr Sicherheit im Bereich der Radiologie und insbesondere der MRT Technik erlangen wollt, informiert Euch doch über meine Kurse:

http://www.privatmedberatung.com

Ein-Tages-Kurse für Physiotherapeuten

info@privatmedberatung.com

Im Kurs #radiologyforpts erhaltet Ihr zuerst eine Übersicht über die gängigen bildgebenden Verfahren und erfahrt einiges über die grundsätzlichen Anwendungsbereiche.

Der Kern des Kurses ist die MRT Diagnostik, da diese am häufigsten in PT-Praxen auftaucht. Es gibt zwar einen kleinen Physikteil der die Technik hinter der Bildgebung beleuchtet, allerdings ist dieser nicht zu lange konzipiert und leicht verständlich.

Im weiteren Kurs geht es um Tips & Tricks bei Röntgen und MRT Auswertung und das Üben von Befunden. Es dürfen ebenfalls Bilder mitgebracht werden.

Falls Ihr Interesse an den Kursen habt oder zu diesem Beitrag Eueren Senf loswerden wollt – immer raus damit!

Danke fürs Lesen!

– Tom

Warum kompliziert? – Teil 2

Split Squads Betrachtet man die Ergebnisse hierfür wird ersichtlich dass eine starke Rekrutierung des m. rectus femoris stattfindet, allerdings an dem hinten stehenden Bein. Desweiteren zeigen vastus lateralis und medialis, sowie intermedius des vorne stehenden Beines sehr starke Aktivierung. Es muss nicht immer PNF sein…. 


Deadlift Zu guter Letzt wurde das Kreuzheben untersucht. Hierbei findet eine extreme Kraftentwicklung des glutaeus max. – intermedialer Teil, m. semimembranosus und m. biceps femoris cap. longum, sowie vastus lat. und medialis statt. Auch hier sehr wenig Aktivierung des m. rectus fem. 

Danke fürs Lesen! Schreibt Euere Gedanken dazu. 

Warum kompliziert? 

Individuelle Therapiepläne und am Patientenwunsch orientiertes Vorgehen sollte unser Handeln bestimmen.

Manchmal bietet es sich aber auch an, mit Patienten Grundlagen zu erarbeiten. 

Im Fokus stehen dabei diesmal die Hüft-und Oberschenkelmuskulatur. Geeignete Übungen mit verschiedenen Effekten sind bspw.: Goodmornings, Splitsquads und Deadlifts. 

Die Muskelgruppen die angesprochen werden sind hier verdeutlicht:


Florian Schellenberg et al. (2017) haben hierzu eine Untersuchung gemacht und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:


Goodmornings Hier fanden die Autoren eine starke Aktivierung der ischiocruralen Muskulatur, insb. der m. semimembranosus wurde angesprochen – der semitendinosus fast gar nicht. Das macht Goodmornings zu einer interessanten Übung in der direkten postoperativen Phase nach VKB-Rekonstruktionen.

Danke fürs Lesen! Fortsetzung folgt…

Schreibt Euere Gedanken oder Meinungen gerne ins Kommentarfeld!

Kostenloser Volltext verfügbar: https://bmcsportsscimedrehabil.biomedcentral.com/articles/10.1186/s13102-017-0077-x